Überwältigende Gefühle Schmerzen Verwirrung wie weiter?

Stress und Burn-out

Was ist Stress?

Jeder versteht unter Stress etwas anderes. Das liegt zum einen an unseren "Werkseinstellungen" (Resilienz und Vulnerabilität) und zum anderen an der "Qualität" des Stress. 

Sinn reduziert Stress!

Eine wichtige Rolle spielt meine Motivation. Ich kann über mich hinauswachsen, wenn ich mich einer Aufgabe, die mich mit Sinn erfüllt, mit Hingabe widme. Wenn ich etwas lustlos und getrieben erledigen muss, das ich eigentlich nicht kann oder will, bedeutet es Stress, obwohl ich darauf vielleicht relativ wenig Zeit und Kraft verwende.

Ob eine Aufgabe für mich (!) Sinn hat oder nicht, liegt übrigens nicht an der Natur der Arbeit, sondern an meiner inneren Haltung ihr gegenüber. Ein Krankenpfleger, der unethisch am Patienten arbeitet, handelt sinnwidrig. Ein Buchhalter, der eine verantwortungsvolle Aufgabe mit Würde und Freude erledigt, kann sehr wohl Sinn realisieren.

Resilienz und Vulnerabilität

Kommen wir zu unseren Werkseinstellungen zurück! Wieviel (echten) Stress ich hier und jetzt aushalte, also wie "resilient" ich bin, hängt primär von meinen freien Reserven ab, die mir bleiben, wenn ich von meiner "Gesamt-Stress-Kapazität" die (genetischen oder traumatischen) Vorbelastungen (also die Empfindlichkeit oder Vulnerabilität) abziehe. Klingt mathematisch und meint vereinfacht, dass die Summe aus historischen Belastungen und aktuellem Stress ein gewisses Maß nicht übersteigen darf.

Sonst droht der Kollaps!

Um den zu vermeiden, kann und muss man - akut - den Stress reduzieren und - nachhaltig - die Resilienz steigern bzw. die Verletzlichkeit reduzieren. Stark traumatisierte Menschen haben unter Umständen keine oder eine "negative" Resilienz, stehen also unter Dauerstress und sind kaum leistungsfähig. Das kann ein Teufelskreis werden, der nur langfristig therapiert werden kann.

Diagnose Burn-out!

Beim Burn-out ist genau das passiert. Das Maß ist übervoll, und das nicht erst seit gestern. Der ganze Organismus reagiert mit dem Kollaps, um dem akuten Stress komplett zu entgehen. Doch damit ist der Vulnerabilität noch nichts entgegengesetzt. Sie hat sich im ganzen Organismus eingenistet und verlangt mehr als "nur" ein Herunterfahren, nämlichen einen kompletten "Reset".

Modeerscheinung?

Ja und Nein! Burn-out wird häufiger als früher diagnostiziert, auch da, wo unsere (Groß-) Eltern noch lange nicht "gejammert" hätten. Bei ihnen wirkten aber existenzielle Zwänge und Kriegsfolgen so stark, dass sie, um überleben zu können, häufig wie fremdgesteuert "funktionieren" mussten. Wie es innen drin in der "Reden-wir-nicht-drüber-Generation" aussah, können wir Kriegsenkel heute nur erahnen. Die Psychotherapie lernt und weiß aber immer mehr darüber.

Neue Probleme, alte Probleme?

Diese Themen sind heute in den Hintergrund zurückgetreten. Wir leiden relativ selten unter existenzieller Not wie im und nach dem Krieg. Allerdings können wir die Traumata unserer Vorfahren mitunter "geerbt" haben und er-leiden nun "stellvertretend" die Qualen unserer (Groß-) Eltern.

Auch ein Burn-out hat Sinn!

Ein maßgeblicher Grund für Burn-out liegt allerdings in eigenen Traumata (also im Psychischen) und häufig in der unbeantworteten Sinnfrage (also im Geistigen). Selbstoptimierung, Leistung, Erfolg, Körperkult u.ä. führen irgendwann zu geistiger Frustration und einem existenziellen Vakuum, in das allerlei psychische Neurosen (Ängste, Zwänge, Depressionen) "hineinwuchern", wie Dr. Elisabeth Lukas es genial formulierte.

Der Burn-out ist eine Konfrontation der Existenz mit dem Logos, verlangt also Klarheit, Wahrheit und - eine Antwort auf die Sinnfrage. Die beantwortet nicht das Leben dir, sondern Du dem Leben!