Psychosomatische Beschwerden

... und ihr Sinn

Fangen wir etwas philosophisch an und bemühen zunächst die Weisheit unserer Sprache! Psychosomatische „Beschwerden" sind was der Name schon sagt: Beschwerden! Und wenn wir davon reden, dass wir uns „beschweren“, meinen wir üblicherweise das mehr oder weniger geharnischte Vorbringen eines berechtigten Anliegens, gewissermaßen eine Rüge. Dann schwingt da noch etwas mit: die Schwere bzw. das (Sich-) Beschweren (mit einem zusätzlichen Gewicht). Wenn wir uns also „beschweren“, haben wir uns anschließend nicht nur beschwert, sondern wir sind auch beschwert. Etwas lastet auf uns, liegt uns redensartlich „auf der Seele“. 

Wer beschwert sich da bei wem und worüber? 

Im Falle psychosomatischer Beschwerden „beschwert“ sich unsere Seele, und zwar wegen bestimmter Mängel im Zusammenhang mit unserem Leben. Und da die Seele keine akustische Stimme hat, gebraucht sie alternative „Medien“: z.B. Bilder (Träume), neurotische „Frequenzen“ (Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen) oder den Körper, mit dem sie koexistiert. Wir werden krank und spüren Schmerzen - unsere Resilienz ist geschwächt.

Wissenschaft oder Esoterik? 

Psyche ist das griechische Wort für Seele, und Soma bedeutet Körper. Interaktion der beiden nennen wir daher Psychosomatik. Die Medizin meint damit „die Wissenschaft von der Bedeutung psychischer Vorgänge für Entstehung und Verlauf von Krankheiten“. Den Zusammenhang erkannte schon der weise König Salomon: „Ein fröhliches Herz bringt gute Besserung, aber ein zerschlagener Geist vertrocknet das Gebein“ (Altes Testament, Buch der Sprüche 17,22). Das erste Standardwerk der Psychosomatik stammt von dem arabischen Arzt Ishaq ibn Ali al-Ruhawi aus dem 9. Jahrhundert. Er bezeichnete Ärzte als "Hüter von Seelen und Körpern" und erklärt in 20 Kapiteln das Zusammenspiel der geistigen und körperlichen Kräfte. Leider ging das Wissen im 13. Jahrhundert mit der Stadt Bagdad unter und wurde erst ab dem 17. Jahrhundert im Abendland wieder eine wissenschaftliche Disziplin der Medizin. Vor 150 Jahren schrieb der Urvater der Naturheilkunde, Sebastian Kneipp, seinen Schülern ins Lehrbuch: "Und vergesst mir die Seele nicht!". Den Begriff Resilienz kannten sie noch nicht, aber sie beschrieben schon sehr gut deren Wirkung.

Umgang mit Beschwerden 

Mit unserem Geist, der gewissermaßen „Adressat“ dieser Beschwerden ist, müssen wir uns nun entscheiden, ob wir auf sie eingehen, sie ignorieren oder bekämpfen. In der Regel fangen wir damit an, unsere Beschwerden zu ignorieren („Ist ja nicht so schlimm, wird schon wieder“). Dann finden wir sie lästig und lassen sie wegspritzen oder nehmen allerlei Pillen. Schließlich werden wir (auto-) aggressiv und nehmen den redensartlichen Kampf gegen die Beschwerden auf. Nicht immer geht dabei mit der körperlichen Genesung auch ein Prozess der seelischen Heilung einher. Tragisch!

Alles nur eingebildet? 

Es gibt viele Deutungen von Psychosomatik. Wissenschaft und Esoterik bemühen sich auf ihre jeweils eigene Art und Weise. Eine Extremposition der Wissenschaft ist, dass der Körper eine zufällig aus „Ursuppe“ entstandene, rein bio-chemische Maschine ist, die man reparieren muss (und kann, wenn man nur lange genug forscht), wenn etwas kaputt geht. Und überhaupt sollte man sie am besten gleich so „konfigurieren“, dass man sie optimal nutzen kann und maximale Freude an ihrem Gebrauch hat (Stichwort „Designer-Baby“). Die andere, esoterische Extremmeinung besagt, dass alles, aber auch alles, was uns zustößt (also jede Krankheit, ein unverschuldeter Unfall oder erlittene Gewalt) ausschließlich von uns selbst verursacht sei. Es seien unsere positiven oder negativen Gedanken, die diese Realität erst erzeugen („Law of Attraction“). Dazwischen liegen viele Abstufungen - und vielleicht auch die Wahrheit. 

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Harmonie statt Kampf

Bemühen wir uns lieber um Harmonie, anstatt gegen uns selbst zu kämpfen! Fakt ist, dass das somatische Krankheitsgeschehen nicht unabhängig vom psychischen Befinden abläuft. Das gilt für die Entstehung und Entwicklung einer Krankheit wie für die Entstehung und Entwicklung von Gesundheit. Wenn wir körperliche Symptome isoliert (ohne Rücksichtnahme auf die Seele) bekämpfen, führen wir auf dem Schlachtfeld unseres Körpers sozusagen Krieg gegen einen angeblichen Feind, der eigentlich auf unserer Seite ist: unsere eigene Seele!

Was ist Harmonie?

Wir Menschen sind geistige Personen, die einen Körper und eine Seele (Psyche) haben. Geist transzendiert unseren Körper und unsere unsterbliche Seele transzendiert die körpergebundene Psyche. Wir sind um-hüllt und er-füllt von Geist. Bei der Meditation gehen wir in eine harmonische Haltung über, bei der wir Körper, Seele und Geist in ein ruhiges Gleichgewicht bringen, um gut auf- und ausgerichtet  sowie gut geerdet zu sein.


Im Alltag wird diese Harmonie durch unzählige Einflüsse gestört. Schlimmstenfalls driften Körper und Seele auseinander. Dann sind wir im wörtlichen Sinn „außer uns", stehen  

„neben uns" oder gelten als „ver-rückt" (Aha!). In der Logotherapie verneinen wir die Möglichkeit von „Geisteskrankheiten“. Es war Viktor Frankls und ist bis heute unser logotherapeutisches Credo, dass die geistige Person, die wir sind, nicht krank werden kann – die Psyche schon! Und die kann sehr wohl den Körper krank machen. Frankl nannte diesen körperlich-psychischen Komplex „Psychophysikum“.


Dass eine Störung dieser Harmonie Krankheiten auslösen kann, wissen fernöstliche Mediziner und Weise seit Jahrtausenden, weshalb die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) auch nicht gegen etwas kämpft, sondern für etwas sorgt, nämlich für die Wiederherstellung jener Harmonie und den Fluss des Qi (Lebensenergie, universelle Energie oder – Heiliger Geist). Welch ein Unterschied! Und wie genial ver-SINN-BILD-LICHT im Zeichen von Yin & Yang.

Yin & Yang

Wie soll man sich das konkret vorstellen?

Es ist wissenschaftlich akzeptiert, dass wir als Persönlichkeit innere Anteile besitzen (oder "Seiten" haben), die mehr oder weniger aktiv, dominant oder zurückgezogen sind. Ob man vom „traumatisierten Ich“ (Franz Ruppert) spricht oder vom „inneren Kind“, ist teils Frage des Menschenbilds, teils Frage des Gottesbildes - und meint im Grunde doch das gleiche. Wenn wir unser inneres Kind oder unseren traumatisierten Ichanteil als Vorbringer einer (körperlichen) Beschwerde annehmen, würden wir dann noch einfach nur die Krankheit bekämpfen? Oder würden wir uns um Versöhnung, also um Harmonie unserer inneren Beziehung zwischen Psyche und Soma bemühen? Lies bitte auch die Texte über „Seelenhunger und Übergewicht“ sowie „Sucht als psychische Antwort auf das geistige Vakuum“. Sie findest Du in der Bibliothek.

Auch der häufig zitierte „innere Dämon“ (scharf  ! zu unterscheiden vom sprichwörtlichen Teufel, der einen „Besessenen“ umtreibt!) hat ein Existenzrecht. Er will nicht bekämpft, vertrieben oder getötet, sondern gesehen, angenommen und geliebt werden. Mancher Furcht einflößende Dämon entpuppt sich dann als harmloser (B)engel …