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Pilgern

Spirituell-therapeutisches Wandern

Ein (Um-) Weg zu Gott?
Eine Methode, sich selbst (wieder) zu finden?
Ein Hype?
Ein Gebet mit den Füßen?
Eine Art von Meditation und Kontemplation?
Eine Form von Entschleunigung und Freiheit?
Pilgern als (logo-) therapeutisches Wandern?

(Bild: Stefan Maria Riphaus auf dem Camino)

Pilgern hat von allem etwas: es ist Gebet, Einkehr, Auszeit, Grenzerfahrung, Herausforderung. Es lehrt Demut, Dankbarkeit und Bescheidenheit. Es macht leidens-fähig (ja, das ist eine Fähigkeit, die man auch erst lernen muss), geduldig und optimistisch. Du bekommst Lektionen, Hilfe, ein Dach über dem Kopf und dein tägliches Brot.

Du gehst. Du bist einfach - einfach zufrieden!

Du gehst los mit Wünschen für dich und andere, hast Sorgen und Nöte, bist voller Hoffnung und Angst, gut ausgerüstet und vorbereitet - und trotzdem völlig hilflos, wenn Krämpfe und Blasen dich plagen. Du folgst aufmerksam dem gelben Pfeil - und verirrst dich trotzdem mindestens einmal. Du schleppst viel zu viel mit dir herum, zu viel Gepäck - wie im richtigen Leben! 

Loslassen! 

Du denkst, grübelst, reflektierst, sprichst mit dir selbst, dem Weg, den Blumen, mit Gott - und anderen Pilgern. Es ist zu heiß, zu kalt, zu nass, zu weit. Klagen macht Spaß! Ohne Schmerz keine Erleuchtung!

Denkst Du!

Irgendwann nach soundso viel Kilometern lässt Du das alles hinter dir, bist ganz leer, läufst einfach weiter - und fängst an zu weinen. Du weißt, wann es Zeit ist Gott zu begegnen. Es steht in keinem Pilgerführer, wann und wo es passiert.

Gott weiß, wann Du bereit bist!

Zweifle nicht, ob Du es "schaffst". Selbst im Scheitern kommst Du ans Ziel. Geh einfach los! Beobachte dich, den Weg, was er mit dir macht, was deine Erlebnisse mit deinem Leben zu tun haben. Werde offen für alles! Blicke in deine eigene Seele, und dir kommt Gott persönlich entgegen.

Veränderung geschieht!

Am Ziel bist Du nicht mehr der, der am Start losging. Doch dein Weg beginnt nicht hier oder da und endet nicht in Santiago de Compostela. Du bist jetzt, da Du dies hier liest, schon auf dem Weg. Und wenn Du das Ziel erreicht hast, geht dein Leben vielleicht erst richtig los.

¡Buén Camino!

Neugierig? 

Zum Pilgerzentrum St. Martin in München geht es hier (Ansprechpartner ist Michael Kaminski). Weitere hilfreiche und weiterführende Links findest Du in der Bibliothek.


Der westliche Seitenweg der Via de la Plata

¡Ein echter Geheimtipp - für "Fortgeschrittene"!

Ich ging im Juni/Juli 2017 die Via von El Puerto de Sta. Maria nach Santiago und weiter nach Fisterra. Da mein Vater aus Ciudad Rodrigo stammte und der Pilgerweg des Hl. Franz von Assisi durch dieses historische Juwel (Welterbe und eines der schönsten Dörfer Spaniens) verläuft, habe ich mich entschlossen, die sprichwörtlich ausgetrampelten Pfade zu verlassen und diesen lohnenswerten Umweg zu machen. Die Via selbst ist ja lange kein Geheimtipp mehr - auch wenn sie nicht annähernd so frequentiert ist wie der Camino Francés.

Man verlässt die Via bei Puerto de Béjar (ca. 80 Km vor Salamanca) und geht einen traumhaft schönen Weg nach Montemayor del Río. Dort ist es wunderschön aber still, sehr still. Ich war ich seit gefühlten 500 Jahren der erste Pilger, und die Leute dort wussten nicht einmal, auf welchem Weg ihr Ort lag. Ich erklärte es dem Bürgermeister (der Korbmacher ggü. des Rathauses) und seiner Frau Conchi (die Zimmer vermietet). Die nächsten ca. 60 Km sollten sehr hart und einsam werden (es gibt nicht in jedem Dorf eine Bar, geschweige denn eine Albergue). Der Weg ist stellenweise sehr schlecht markiert - und als Camino mit gelben Pfeilen schon gleich gar nicht, sondern als Fernwanderweg GR-10! Das Handynetz ist sehr lückenhaft - und nachmittags kreisen Schwärme von Gänsegeiern über einem. Das setzt bei über 40°C und fernab der Zivilisation schon einigen Pioniergeist voraus (und in den Orten auch besser Sprachkenntnisse).

Ein Highlight auf dem Weg zum Santuario de la Virgen de la Peña (ein Nationalheiligtum hoch auf einem Berg) ist das traumhaft schön gelegene pittoreske Örtchen La Alberca. Dort findet man die Jakobsmuschel an einer Bar auf der belebten Plaza Mayor und am historischen Hospital. Oben auf der Peña unbedingt eine Übernachtung einplanen. Leider war der Abt des Klosters eiskalt abweisend, also muss man das Hotel nebenan aufsuchen oder - wie ich - draußen schlafen, was des Sternenhimmels wegen ein Highlight für sich ist. Spät abends und früh morgens ist man dort ziemlich allen mit einer großen Herde von Bergziegen. Auf knapp 1.800m Höhe wird es allerdings auch im Sommer sehr frisch!

Weiter geht es bergab in das historische Ciudad Rodrigo, wo man unbedingt zwei Übernachtungen einplanen sollte. Auf dieser Teilstrecke freut man sich über die vielen gelben Pfeile - bis man merkt, dass man in die Gegenrichtung laufen muss, da Franziskus auf diesem Weg von Ciudad Rodrigo zur Peña de Francia unterwegs war. Nach dem Aufenthalt in Ciudad Rodrigo entscheidet man sich, entweder nach Westen zum Caminho Portugues (nach Porto), nach Nordwesten zum Camino Sanabrés (nach Verín) oder nach Nordosten Richtung Salamanca oder über das historische Ledesma direkt nach Zamora weiterzugehen. Landschaftlich am reizvollsten ist die Nordwestvariante: über den Canyon bzw. die Arribes del Duero und (Variante NW II) durch den Peneda Gerês Nationalpark in Portugal nach Vigo (dort wieder auf den Caminho Portuges). Einen Stopp in Siega Verde erwägen, wo es ca. 20.000 Jahre alte, prähistorische Felszeichnungen zu sehen gibt (Weltkulturerbe!).

Wegbeschreibung des 1. Teilstücks von der Via de la Plata zum Santuario de la Virgen de la Peña. Hart - aber schön.

Das Wegenetz ab dem Santuario und rund um Ciudad Rodrigo.

Das historisch für Spanien bedeutungsvolle Ciudad Rodrigo hat eine ausgezeichnet erhaltene Altstadt. Man kann hier im Sommer baden und das bunte Nachtleben unter 13.000 Einheimischen genießen (darf ja auch mal sein).