Persönlichkeit Entwicklung Charakter

Persönlichkeits- Entwicklung

Über den Charakter

Eine logotherapeutische Weisheit sagt: "Die geistige Person, die ich bin, setzt sich mit dem Charakter, den ich habe, auseinander und entwickelt sich zu einer Persönlichkeit". Aha! Ich bin also nicht mein Charakter, sondern habe einen. Nur woher? Und wozu?

Die Werkseinstellungen

Der Grundtyp unseres Charakters bildet sich in unseren ersten sechs Lebensjahren. Allerdings kommen wir bei der Geburt nicht als "unbeschriebenes Blatt" zur Welt, da wir seit unserer Zeugung Teil der Gefühlswelt unserer Mutter (nicht nur, aber hauptsächlich) waren. Und auch wenn wir es nicht glauben können: wir befinden uns spätestens seit unserer Geburt im biologischen Überlebenskampf, und seien wir noch so behütet! 

Charakter ist "Psycho-Tool"

Unser Charakter hilft uns zu über-leben. Das ist sein Job! Je nach seelischer oder körperlicher Not kann das harmlos mit kleinen Tricks oder übelst mit schweren Waffen geschehen.

Charakter ist bunt

Wir kennen heute im Wesentlichen neun sogenannte "Archetypen" von Charakteren. Wir verfügen in der Psychologie und in der Spiritualität erstaunlicherweise über ziemlich deckungsgleiche Muster (was eigentlich nicht verwundert, da sich ja beide mit der Seele beschäftigen). Schubladendenken wäre aber fehl am Platz, denn wenn sich aus drei Spektralfarben zig Millionen unterschiedlicher Farben ableiten, wie viele Charaktere lassen sich dann aus neun Spektralfarben (Archetypen) "mischen"?

Charakter ist ein Prozess

Unser Charakter ist nicht statisch sondern entwickelt sich dynamisch. Das Interessante ist, dass er dies nicht "zufällig" tut, sondern getreu seinem Grundmuster. Natürlich haben äußeren Lebensumstände (nennen wir sie Zufälle oder Schicksal) dabei mehr oder weniger Einfluss, aber eine gewisse "Linientreue" bleibt in aller Regel erhalten.

Charakter ist ein Fisch

Das Prozessmodell des Enneagramms kennt zwei Richtungen: mit dem Strom und gegen den Strom. Du ahnst schon, was günstiger ist - und wo die Falle lauert.

Charakter ist Erkenntnis

Wir schwimmen also mit dem Strom, nur woher kommen wir und wohin schwimmen wir? Dazu brauchen wir eine Bestimmung unseres Standortes. Auch werden wir verstehen wollen, wie stark das "Gefälle" des Stroms ist, ob wir noch von sympathischen Charaktermerkmalen oder harmlosen "Macken" reden oder von Leid erzeugenden Persönlichkeitsstörungen.

Charakter ist Arbeit

"Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung" sagt der Volksmund - zu Recht! Und der zweite? Er ist mehr oder minder harte Arbeit - nämlich gegen den Strom zu schwimmen. Je stärker das Gefälle, desto anstrengender. Normalerweise trainieren wir unsere "Seelenmuskel" in der "Schule des Lebens" auf angemessene Art und Weise, doch manchmal hatten wir die falschen Lehrer und brauchen etwas Nachhilfe. Man kann nachreifen!

Charakter ist Schicksal

Die Jünger des Zarathustra, die Parsen (zu denen z.B. der legendäre Freddy Mercury von Queen gehörte) haben seit Jahrtausenden einen Leitspruch, den wir alle beherzigen sollten: "Gute Gedanken, gute Worte, gute Taten". Das Volk Israel hat ihn wohl aus dem babylonischen Exil mitgebracht und im Talmud wunderschön ausformuliert:

Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte
Achte auf deine Worte, denn sie werden Taten
Achte auf deine Taten, denn sie werden Gewohnheiten
Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden Charakter
Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal

Dein Schicksal, Du hast es in der Hand!

Zur weiterführenden Lektüre empfehle ich das Standardwerk des Enneagramms von Andreas Ebert und Richard Rohr (zu finden in der Bibliothek). Trotz Bewusstseins-Erweiterung: Vorsicht im "Selbstversuch" ist geboten. Ein Coach ist unbedingt zu empfehlen!

(Bild: Mt 14,31: Jesus rettet den ertrinkenden Petrus)