innere Abgründe Verzweiflung Verstrickung

Depressionen, Ängste und Zwänge

Sie können uns das Leben schwer machen - manchmal sogar zur Hölle. Sie gehören alle drei zu den sogenannten Neurosen oder, besser gesagt, neurotischen Störungen. 

Die schwarze Leinwand

Depressionen entwickeln sich zu einer veritablen Volkskrankheit. Und zwar global! Man sieht den Film seines Lebens auf einer schwarzen Leinwand. Sie können somatische (hormonelle), psychische (neurotische) oder geistige (noetische) Ursachen haben. Depressionen können in kürzeren aber wiederkehrenden Episoden auftreten oder Jahre andauern. Auch treten sie unterschiedlich schwer auf oder z. B. als "chronische Melancholie" (Dysthymia). Sie müssen meistens vom Arzt behandelt werden.

Die Botschaft

Auch die Depression hat eine Botschaft für dich, wie alle psychosomatischen Phänomene. Sie ist heute als Krankheit anerkannt. Das ist sie auch. Das - und mehr! Man spricht ihr zu Recht einen "appellativen Charakter" zu. Deswegen mag es im Einzelfall sinnvoll sein, die ärztliche Therapie mit einer logotherapeutischen Sinnseelsorge zu ergänzen.

Vielleicht verbirgt sich hinter der Depression eine tiefere Wahrheit, die auf dem Grund deiner Seele ruhend, sich endlich ihre Geltung verschaffen möchte. Wenn sich eine Depression wie eine bleischwere, fest verschlossene Panzertür anfühlt, kann doch manchmal ein Blick durch das Schlüsselloch eine Idee davon vermitteln oder eine konkrete Antwort geben.

Aus gutem Grund

So wie Depressionen haben auch alle anderen Neurosen ihren eigenen Sinn: Angst z.B. ist grundsätzlich etwas Gutes, denn ohne sie würden wir ständig in Gefahr geraten. Impulse sind uns auch nützlich, denn sonst müssten wir immer erst zu lange überlegen, bevor wir reagieren. Die Evolution hat unser Hirn genial geschaffen. Es kreiert unzählige neuronale Netzwerke, in denen diese Prozesse in Millisekunden ablaufen. Doch manchmal nehmen Ängste überhand und Impulse üben unkontrolliert (zwanghaft) Macht über uns aus.

Der Säbelzahntiger

Unsere Steinzeit-Vorfahren entwickelten Angst vor gefährlichen Raubtieren - und mussten doch lernen damit umzugehen. Sonst hätten sie ihre Höhlen nicht verlassen können und wären verhungert. Sie lernten auch, alles um sich herum blitzartig wahrzunehmen und auf Gefahren, aber auch Jagdchancen zu reagieren. Und sie mussten schnell genug realisieren, wenn es sich um falschen Alarm oder vergebliche Mühe handelt, um Energie zu sparen.

Gelernt ist gelernt!

Eine gewisse Veranlagung ist uns also mit in die Wiege gelegt worden, aber den Rest haben wir im Zuge unserer Persönlichkeits-Entwicklung erst "gelernt" und zur Gewohnheit werden lassen. Natürlich können traumatische Erlebnisse das Ihre dazu beigetragen haben.

Selbstwahrnehmung ist wichtig

Bei Depressionen, Ängsten und Zwängen gilt: im Zweifel zum Arzt gehen, und zwar am besten zum (psychiatrischen) Psychotherapeuten!

Hast Du nur den "Herbst-Blues" oder bist zur Zeit etwas niedergeschlagen? Reden wir drüber! Kommst Du morgens nicht mehr in die Gänge, wird es gar nicht mehr hell in deinem Alltag, plagen dich Suizid-Gedanken? Dann kann sogar ein Klinik-Aufenthalt notwendig sein.

Bist Du nur ein ängstlicher Typ, der sich endlich mal was trauen oder gerne lästige Angewohnheiten loswerden  will - ein lösbares Problem! Doch wenn gesunde Angst dauerhaft in grundlose Panik umschlägt, brauchst Du ärztliche Hilfe.

Das gleiche gilt, wenn dir eine leidiges Thema ständig durch den Kopf geht und dich nachts wach hält, weil es dich zeitweise beschäftigt oder belastet - das kann vorbeigehen. Aber wenn Du unter dauerhaften Schlafstörungen leidest oder deine Gedanken zwanghaft nur noch um eine Sache kreisen, zögere nicht, einen Arzt zu konsultieren!

Wie Neurotiker ticken

Wie sich eine Depression, zumindest eine schwere, anfühlt, weiß nur ein Mensch mit Depressionen. Nichts geht mehr! Da helfen auch keine gut gemeinten Aufmunterungen und Motivations-Versuche der engsten und liebsten Menschen. Humor, bei manchen Neurosen eine echte Wunderwaffe, macht es im Zweifel nur noch schlimmer. 

Angst- wie auch Zwangsstörungen führen entweder durch die Angst vor der Angst oder den Kampf gegen den Zwang zu sogenannten reaktiven Neurosen. Zwangsneurotiker „ticken“ anders als Angstneurotiker: Sie haben nicht Angst vor der Angst, sondern Angst vor dem Zwang. Sie versuchen aber nicht, davor zu flüchten (Vermeidung), sondern verzweifelt dagegen anzukämpfen. Druck erzeugt Gegendruck, und Gegendruck verstärkt den Druck – wie die Angst, die heraufbeschwört, wovor man sich fürchtet: ein Teufelskreis! 

Hausapotheke oder "Chemie"?

Natürlich versuchen wir alle, nicht gleich bei jedem "Zipperlein" zum Arzt zu gehen - und das ist auch im Interesse der Ärzte und vor allem jener, die den Arzt dringend brauchen. Wir nehmen auch normalerweise nicht gerne Medikamente ein. Und bei Psycho-Pharmaka ist der innere Widerstand besonders stark. Doch manchmal geht es nicht anders. Ich will versuchen, für die "Chemie" eine Lanze zu brechen und eine Hilfsbrücke zu bauen.

Ursache und Wirkung

Es wird dem Menschen wohl kaum gerecht, sein Wohlbefinden und Verhalten mit biochemischen Vorgängen im Hirn erklären zu wollen. Es ist aber schon eine Leistung der Wissenschaft, herausgefunden zu haben, dass z. B. Depressionen mit einem Mangel an dem "Glückshormon" Serotonin in den synaptischen Spalten des Gehirns einhergehen. Es ist auch beachtenswert, dass man mit der Gabe von sogenannten "Selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern" (SSRI) das Befinden von depressiven Menschen und solchen mit Angst- und Zwangsstörungen verbessern kann.

Und nun?

Ist nun die Neurose eine Folge des Serotoninmangels - oder umgekehrt? Fakt ist, dass vielen Depressiven ohne diese Mittel kaum geholfen werden kann. Ein Beispiel: Ein Beinbruch macht Schmerzen. Die Schmerzen sind die Folge des Beinbruchs, nicht umgekehrt. Ganz klar! Der Patient bekommt Schmerzmittel. Können die den Beinbruch heilen? Natürlich nicht! Aber sie helfen, denn ohne sie würde der Patient unnötig leiden, und die Heilung würde dadurch erschwert. So können Psycho-Pharmaka den verschütteten Zugang zur Psyche freimachen, damit es überhaupt weitergeht und Heilung möglich wird. Verordnen kann und darf sie - aus gutem Grund - nur ein Arzt!

Halb so schlimm?

Manchmal brauchen wir einfach nur das berühmte "Trostpflaster" - vielleicht auch ein extra-großes! Mal aufs blutige Knie - und mal für die leidende Seele. Nicht jeder, der ärztliche Hilfe braucht, nimmt sie in Anspruch. Andererseits sind die Wartezimmer der Hausärzte auch deshalb überfüllt, weil nicht genug Psychotherapeuten und Seelsorger zur Verfügung stehen. Wichtig ist, dass Du weißt, was mit dir los ist und was Du brauchst, um dich wieder gut zu fühlen.

Mein Versprechen

Als Logotherapeut verspreche ich nicht, eine Krankheit zu heilen (das darf nur ein Psychiater), aber ich werde mit allen meinen geistigen, körperlichen und seelischen Mitteln  dabei helfen, dass aus einem leidenden Menschen wieder ein liebender Mensch wird. Ein Mensch, der SEIN Leben lebt und liebt.